1965 – Ein Jahr großer Ereignisse - Änderung bei der GWG-Regelung

- Für Wehrdienstleistende stieg der Sold von 2,30 DM auf 2,70 DM pro Tag

- Frankreich zieht seinen Vertreter bei der EG ab, Beginn der Politik des leeren Stuhls

- Auf Tonga stirbt die Schildkröte Tu´I Malila, 1777 hatte James Cook die Schildkröte der

königlichen Familie geschenkt

 

Ach ja, die GWG Grenze wurde auf 800 DM festgesetzt

 

Der Wehrdienst wurde mittlerer weile abgeschafft.

Der Vertreter Frankreichs ist in die EU zurückgekehrt.

Der Körper von Tu´I Malila kann noch heute in einer Glasvitrine betrachtet werden.

 

Die GWG Grenze hat aber bis ins Jahr 2017 (mit Einschränkung der Umrechnung auf 410 €) unverändert überdauert.

 

Ab dem 01.01.2018 wird die Grenze nunmehr aber auf 800 € erhöht. Aber nicht nur das, auch die Grenze für den Erfassung als sofortigen Aufwand ohne zusätzliche Aufzeichnungspflichten wird ab 01.01.2018 von 150 € auf 250 € erhöht.

Grund für uns sich mit den GWG´s auseinanderzusetzen.

 

(In diesem Newsletter wird als GWG-Regelung stets das Wahlrecht angesehen, eine Vollabschreibung im Erstjahr vorzunehmen, im Gegensatz zum Sammelposten, der über fünf Jahre verteilt wird.)

 

1. Voraussetzungen zur Anwendung der GWG-Regelung

 

1.1 Das Wirtschaftsgut muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen:

 

1. Das Wirtschaftsgut muss abnutzbar sein,

2. das Wirtschaftsgut muss beweglich sein,

3. das Wirtschaftsgut muss zum Anlagevermögen eines Unternehmens gehören,

4. das Wirtschaftsgut muss selbständig nutzungsfähig sein.

 

Zu 1: Abnutzbarkeit

Ein Wirtschaftsgut ist abnutzbar, wenn der Werteverzehr auf technischem und/oder wirtschaftlichem Wertverzehr oder auf rechtlichen Gegebenheiten beruht:

 

Materieller Verschleiß

Der Anlagegegenstand unterliegt der Abnutzung infolge natürlicher Einflüsse oder des Gebrauchs (technische Abnutzung)

 

Wirtschaftlicher Wertverlust

Der Vermögensgegenstand verliert z.B. durch Substanzverlust (bei Bodenschätzen) an Wert.

 

Nutzungsdauerbegrenzung durch gesetzliche oder vertragliche Regelung

 

Jede Ursachen ist für sich zu beurteilen und sorgt dafür, das ein Wirtschaftsgut der Abnutzbarkeit unterliegt.

 

Beispiel:

Ein Münzhändler erwirbt als Ausstellungsstück für sein Schaufenster eine römische Münze für 350 €.

 

Lösung:

Das Ausstellungsstück ist nicht abnutzbar. Es kann somit kein GWG im Sinne des §6 Abs. 2 bzw. §6 Abs. 2a EStG sein.

 

Zu 2: Beweglichkeit

Gem. R 7.1 Abs. 2 EStR können nur Sachen, Tiere und Scheinbestandteile bewegliche Wirtschaftsgüter sein. Im Umkehrschluss sind immaterielle Vermögensgegenstände (Rechte, Lizenzen) keine beweglichen Vermögensgegenstände. Gem. R7.1 Abs. 3 EStR sind Betriebsvorrichtungen auch dann bewegliche Vermögensgegenstände, wenn sie wesentliche Bestandteile eines Grundstücks sind.

 

Eine Sonderstellung nimmt Software ein. Bei Computerprogrammen wird bilanzsteuerrechtlich unterschieden zwischen immateriellen Wirtschaftsgütern und Trivialprogrammen. Um ein Trivialprogramm handelt es sich u. a., wenn ein Computerprogramm lediglich Datenbestände oder allgemein zugängliche Daten speichert. Nach Meinung der Finanzverwaltung stellen diese keine immateriellen, sondern abnutzbare bewegliche und selbstständig nutzbare Wirtschaftsgüter dar. Dabei sind Computerprogramme mit Anschaffungskosten bis 410 EUR wie Trivialprogramme zu behandeln.

 

Zu 3: Anlagevermögen

Zum Anlagevermögen gehören die Wirtschaftsgüter, die dem Betrieb dauernd dienen. Zudem muss die voraussichtliche Nutzungsdauer mindestens ein Jahr betragen, da gem. BFH kurzlebige Wirtschaftsgüter nicht zu bilanzieren sind.

 

Daraus resultiert, das für Wirtschaftsgüter des Umlaufvermögens die Regelungen der GWG keine Anwendung finden.

 

Zu 4: Selbständige Nutzbarkeit

 

Wirtschaftsgüter, die nur mit anderen Wirtschaftsgütern zusammen genutzt werden können, erfüllen die Voraussetzung der selbständigen Nutzbarkeit nicht.

 

Nach 6.13 Abs. 1 Satz 3 EStR sind Wirtschaftsgüter dann nicht selbständig nutzbar, wenn folgende drei Bedingungen kumulativ vorliegen:

 

1. Das Wirtschaftsgut kann nach seiner betrieblichen Zweckbestimmung nur zusammen mit anderen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens genutzt werden.

 

2. das Wirtschaftsgut ist mit den anderen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens in einem ausschließlich betrieblichen Nutzungszusammenhang eingefügt, d.h. es tritt mit den in den neu Nutzungszusammenhang eingefügten anderen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens nach außen als einheitliches Ganzes in Erscheinung, wobei für die Bestimmung dieses Merkmals im Einzelfall die Festigkeit der Verbindung, ihre technische Gestaltung und ihre Dauer von Bedeutung sein können,

 

3. das Wirtschaftsgut ist mit den anderen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens technisch abgestimmt.

 

1.2 Einhaltung von Wertgrenzen (Neuerung ab 01.01.2018)

Es handelt sich um ein sogenanntes GWG, wenn die Anschaffungs- oder Herstellungskosten sowie der Einlagewert für das einzelne Wirtschaftsgut 410 € (ab 01.01.2018: 800 €) nicht übersteigen.

 

Zu den Anschaffungskosten eines Anlagegegenstands gehören sämtliche Aufwendungen, die notwendig sind, um den Anlagegegenstand in einen für den Betrieb brauchbaren Zustand zu versetzen. Hierzu gehören die Nebenkosten sowie die Kosten der Ingangsetzung. Zu den Anschaffungskostenminderungen gehören

 

- nach §§ 6b oder 6c EStG übertragene stille Reserven,

- Herabsetzungsbeträge nach §7g Abs. 2 Satz 2 EStG,

- Zuschüsse aus öffentlichen oder privaten Mitteln, soweit sie die Anschaffungs-

oder Herstellungskosten gemindert haben (R6.5 EStR sogenannte echte

Zuschüsse),

- nach R6.6 EStR übertragene stille Reserven (Ersatzbeschaffung).

 

Für die Beurteilung, ob die betragsmäßige Grenze von 410 € (ab 01.01.2018 800 €) überschritten ist oder nicht, ist immer von den Anschaffungs- oder Herstellungskosten abzüglich eines darin enthaltenen Vorsteuerbetrags auszugehen (Nettowarenwert). Dies gilt selbst dann, wenn die Vorsteuerbeträge nicht abziehbar sind und nach §9b EStG zu den Anschaffungs- oder Herstellungskosten zählen.

 

Wirtschaftsgüter bis 150 € (ab 01.01.2018: 250 €) dürfen sofort als Aufwand erfasst werden. Hier bestehen keine zusätzlichen Aufzeichnungspflichten (siehe Gliederungspunkt 3).

 

1.3 Nachträgliche Anschaffungs- Herstellungskosten

Werden für ein Wirtschaftsgut in einem späteren Wirtschafts- oder Kalenderjahr nachträgliche Anschaffungs- oder Herstellungskosten aufgewendet, hat dies keinen Einfluss auf die Behandlung der Aufwendungen im Jahr der Anschaffung oder Herstellung.

 

Das Wirtschaftsgut bleibt ein geringwertiges Wirtschaftsgut, auch wenn durch die nachträglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten der Grenzwert von 410 € (ab 01.01.2018: 800 €) überschritten wird. Die nachträglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten selbst sind im Jahr ihres Entstehens ebenfalls unabhängig von ihrer Höhe sofort abziehbare Betriebsausgaben oder Werbungskosten.

 

2. Sammelposten

Alternativ zur Behandlung des Wirtschaftsguts als GWG (Vollabschreibung im Jahr der Anschaffung) können die Wirtschaftsgüter bis zu einem Grenzwert von 1.000 € in einem Sammelposten nach §6 Abs. 2a EStG zugeführt werden. Der Sammelposten ist über 5 Jahre gewinnmindernd aufzulösen. Dieses Wahlrecht gilt nur für Wirtschaftsgüter mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten von mehr als 150 € (ab 01.01.2018: 250 €). Betragen die Anschaffungskosten nicht mehr als 150 € (ab 01.01.2018: 250 €) bleibt nach §6 Abs. 2a Satz 4 EStG das Wahlrecht bestehen, die Anschaffungs- oder Herstellungskosten bzw. den Einlagewert im Jahr der Anschaffung, Herstellung oder Einlage sofort als Betriebsausgabe zu berücksichtigen.

 

 

Will der Unternehmer von seinem Wahlrecht zur Bildung eines Sammelpostens Gebrauch machen, gilt diese Wahlrechtsausübung einheitlich für alle im jeweiligen Wirtschaftsjahr angeschafften, hergestellten und eingelegten Wirtschaftsgüter mit Einstandskosten von mehr als 150 € (ab 01.01.2018: 250 €) und nicht mehr als 1.000 €. Dies hat zur Folge, dass die Vollabschreibung nach §6 Abs. 2 EStG insoweit keine Anwendung findet. Das Wahlrecht kann ausgeübt oder geändert werden, solange noch keine bestandskräftige Steuerfestsetzung erfolgt ist.

 

2.1 Behandlung nachträglicher Anschaffungs- / Herstellungskosten beim

Sammelposten

Entstehen nachträglich Anschaffungs- oder Herstellungskosten (z.B. Erweiterung eines Wirtschaftsguts) bei einem Wirtschaftsgut, das in den Sammelposten aufgenommen wurde, ergibt sich keine Änderung beim ursprünglichen Sammelposten. Der Sammelposten ist unverändert fortzuführen und aufzulösen. Dies gilt auch, wenn durch die nachträglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten der Grenzwert von 1.000 € überschritten wird. Die nachträglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten selbst sind im Jahr ihres Entstehens dem für dieses Wirtschaftsjahr zu bildenden Sammelposten zuzuführen und planmäßig über 5 Wirtschaftsjahre aufzulösen.

 

2.2 Auflösung des Sammelpostens im Erstjahr

Der Sammelposten wird über 5 Jahre mit jeweils 20% aufgelöst. Somit besteht auch im ersten Jahr immer eine volle Auflösung (Abschreibung) in Höhe von 20% (keine zeitanteilige Abschreibung).

 

2.3 Keine Abgänge im Sammelposten

Einmal in den Sammelposten eingestellte Wirtschaftsgüter verbleiben dort. Der Sammelposten bleibt auch dann unverändert, wenn das Wirtschaftsgut vor Ablauf von 5 Jahren aus dem Betriebsvermögen ausscheidet. Es spielt keine Rolle, ob es unbrauchbar ist oder verkauft wird. Die Nutzungsdauer der einzelnen Wirtschaftsgüter spielt ebenfalls keine Rolle.

 

3. Aufzeichnungspflichten GWG / Sammelposten

Geringwertige Wirtschaftsgüter über 150 € (ab 01.01.2018: 250 €) müssen im Falle der Sofortabschreibung im Anlageverzeichnis aufgenommen werden. Darin müssen sowohl Tag der Anschaffung, Herstellung oder Einlage ersichtlich sein sowie die Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Das Verzeichnis ist nur dann nicht erforderlich, wenn diese Angaben aus der Buchführung ersichtlich sind.

 

Für den Sammelposten bestehen hingegen steuerrechtlich keine gesonderten Aufzeichnungspflichten. Handelsrechtlich muss der Sammelposten nach IDW im Anlagenspiegel ausgewiesen werden.

 

4. Erhöhung Schwellenwert in der Handelsbilanz

Der Haupt- und Finanzausschuss des IDW sieht die Übertragung steuerlichen Regelungen aus Gründen der Wirtschaftlichkeit als gerechtfertigt an, solange keine wesentliche Veränderung des Gesamtbildes der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eintritt.

 

Dies wird bei geringwertigen Wirtschaftsgüter in der Regel keine besonders große Bedeutung für die Vermögenslage haben werden. Im Handelsrecht sind keine eigenen Grenzwerte für Sofort- oder Poolabschreibung verbindlich festgelegt worden. In der Literatur wird eine Sofortabschreibung für geringwertige Wirtschaftsgüter von bis zu 1.000 Euro für Sofortabschreibungen als noch zulässig erachtet.

 

Demnach dürfte der Erhöhung der GWG von 410 € auf 800 € im Handelsrecht aus Gründen der Wirtschaftlichkeit nichts entgegen.

 

5. Ausblick auf das Jahresende

Die Neuregelung könnte dazu führen, dass viele Unternehmen für Ende des Jahres geplante Investitionen in Wirtschaftsgüter zwischen 410 und 800 Euro ins Jahr 2018 verschieben, um in den Genuss der höheren Sofortabschreibung zu kommen.

 

Auch ist zu erwarten, dass die Bedeutung des Sammelpostens durch die Erhöhung der GWG-Grenze zukünftig in der Praxis abnehmen wird. Da die GWG-Abschreibung künftig auf 800 € ausgeweitet wird, der Sammelposten aber unverändert auf 1.000 € verbleibt, dürfte es kaum Fälle geben, in denen die Sammelpostenmethode zu einem günstigeren steuerrechtlichen Ergebnis führen wird.